Vision Zero und nNGM legen 10-Punkte-Plan für eine bessere Lungenkrebstherapie vor
Zusammenfassung der Herbsttagung in Berlin
Trotz großer medizinischer Fortschritte in der Lungenkrebstherapie profitieren viele Patientinnen und Patienten in Deutschland noch immer nicht von modernen Diagnose- und Behandlungsverfahren. Darauf weist die Initiative Vision Zero hin und präsentierte gemeinsam mit dem Nationalen Netzwerk Genomische Medizin Lungenkrebs (nNGM) einen umfassenden 10-Punkte-Plan zur Verbesserung von Prävention, Früherkennung und Versorgung.
Heute bestehen in Deutschland erhebliche regionale Unterschiede in der Behandlung von Lungenkrebs. Während spezialisierte Zentren moderne molekulare Diagnostik und personalisierte Therapien einsetzen, erhalten Betroffene andernorts weiterhin vorwiegend konventionelle Chemotherapeutika. Vision Zero bezeichnet diese Situation als „Zwei-Klassen-Medizin“ und fordert eine bundesweit einheitlich hochwertige Versorgung.
Der 10-Punkte-Plan umfasst Maßnahmen von einer deutlichen Stärkung der Tabakprävention über ein strukturiertes Lungenkrebs-Früherkennungsprogramm mittels Niedrigdosis-CT bis hin zu flächendeckend digital vernetzten Expertenstrukturen. Zudem fordert Vision Zero harmonisierte Qualitätsstandards, einen schnelleren Transfer medizinischer Innovationen in die Praxis und eine nationale Digitalisierungsstrategie, um Versorgungsdaten effektiver nutzen zu können.
Das nNGM zeigt bereits heute, wie molekulare Diagnostik und interdisziplinäre Therapieentscheidungen die Behandlungsergebnisse signifikant verbessern können. Vision Zero appelliert daher an Politik und Gesundheitswesen, solche Netzwerke bundesweit auszubauen und nachhaltig zu finanzieren.
„Die medizinischen Möglichkeiten sind vorhanden – jetzt müssen wir sicherstellen, dass sie auch bei allen Patientinnen und Patienten ankommen“, heißt es in der Initiative. Eine konsequente Umsetzung des 10-Punkte-Plans könne tausende vermeidbare Todesfälle verhindern und die Überlebenschancen bei Lungenkrebs nachhaltig erhöhen.
Der 10-Punkte-Plan:
Folgende konkrete Schritte werden vorgeschlagen, um Versorgung, Früherkennung und Therapie zu verbessern:
-
Erhöhung der Tabaksteuer — um Einstieg zu verhindern und zum Aufhören zu motivieren; plus stärkere Rauchverbote und Schutz vor Passivrauch.
-
Einführung einer Präventionsabgabe: Mit dieser zweckgebundenen Abgabe sollen bundesweite Aufklärungskampagnen, Entwöhnungsprogramme und eine Entlastung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) finanziert werden.
-
Kontinuierliche, bundesweite Aufklärungskampagnen — besonders mit Fokus auf junge Menschen, um z. B. Marketingumgehungen über soziale Medien zu verhindern.
-
Systematische Stärkung von Aus-, Fort- und Weiterbildung im Gesundheitswesen — sodass Ärzt:innen und medizinisches Personal bestmöglich auf neue Diagnose- und Therapieverfahren vorbereitet sind.
-
Schnelle, flächendeckende Einführung eines nationalen Lungenkrebs-Früherkennungsprogramms (z. B. durch Niedrigdosis-CT).
-
Aufbau bundesweit verzahnter, digital vernetzter und qualitätsgesicherter Experten-Netzwerke — angelehnt an zertifizierte Krebszentren und bestehende Strukturen wie nNGM — für bessere Diagnose, Therapie und Innovationstransfer.
-
Schnellere Umsetzung von Innovationen in der klinischen Routine — fehlanreizende Strukturen müssen beseitigt werden, klinische Studien als neue Optionen ausgebaut werden.
-
Etablierung nationaler, harmonisierter Qualitätsstandards — insbesondere für molekulare Testungen und interdisziplinäre Behandlungswege — und verbindliche Integration von Nachsorge und Supportangeboten mit gesicherter Finanzierung.
-
Digitalisierungsoffensive im Gesundheitswesen — Nutzung von Real-World-Daten für eine optimierte Versorgung in „Echtzeit“; ggf. Anpassung der Nutzenbewertung (z. B. AMNOG) an moderne, komplexe Therapien.
-
Erstellung einer umfassenden gesundheitsökonomischen Analyse — die nicht nur direkte Krankheitskosten, sondern auch indirekte Kosten und Produktivitätsverluste berücksichtigt; so wird deutlich, wie wirtschaftlich sinnvoll eine bessere Versorgung ist.
Quellen und weitere Informationen:

























